Jugendstil in Dortmund

Jugendstilhäuser in der Alexanderstraße in Dortmund.

Es handelt sich um eine Hausform, die um 1900 bei Bauherren beliebt war, die für sich selbst (und dann meist mit Verwandten zusammen) mehrere Eigenheime bauen wollten, die jedoch in direktem Zusammenhang stehen sollten, damit die Wege zwischen den Parteien kurz waren. Außerdem war es natürlich günstig, Brandmauer an Brandmauer zu bauen, anstatt freistehend (wo jede Hausseite hätte gestaltet werden müssen). Je nach Bauvorschrift war dieses Bauen aber auch in der jeweiligen Gegend, wo gebaut werden sollte, vorgeschrieben.

Häuser dieses Typs wurden aber auch von Gesellschaften gebaut, um sie an Interessenten zu verkaufen, egal, ob diese einander kannten. Sie waren grundsätzlich so gestaltet, dass sie die Vorzüge von freistehenden Villen hatten.

Im englischen Raum nennt man diese Art Häuser „semi detached“, was so viel wie „aneinander gebaut“ bedeutet.

Die Häuser im Dortmunder Klinikviertel weisen auffallend schöne Jugendstilfassaden auf. Diese waren mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Individualanfertigungen und stammten nicht aus Stuck-Katalogen (die zum Vertrieb von vorproduzierten Schmuck gedacht waren). Im Krieg allerdings müssen sie im Dachbereich beschädigt worden sein, denn die originalen Giebel fehlen zum Teil. Lediglich das linke äußere Gebäude besitzt noch einen Anklang daran, beim mittleren und rechten Haus fehlen sie ganz. Ich habe alle nachempfunden, im Stil der Zeit und wie sie bei solchen Häusern gerne verwendet wurden. Natürlich fand ich, nachdem ich das getan hatte, noch eine alte Postkarte, auf denen die echten alten Giebel ganz klein aber dennoch in ihrer Grundform zu erkennen waren – die hier gezeigten bewegen sich aber im gleichen stilistischen Modus und hätten ebenso gut gepasst (vielleicht mache ich nochmal einen Redo und setze hier noch mal Giebel ein, die näher an der tatsächlichen Form waren).

Als Baujahr aller drei Einzelobjekte ist in mehreren Quellen das Jahr 1903 zu finden.

Farbliche Fassungen solcher Häuser, wenn man die Originalfarbigkeit nicht kennt und nicht mehr recherchieren kann (da es aus dieser Zeit meist nur SW-Fotos und -Postkarten gibt), sind eine Sache, man muss dafür um ein paar Techniken wissen, die es damals gab. Ich zeige hier neben roten Dachziegeln, die ich einfach mal vorausgesetzt habe (eventuell war es überall Biberschwanz-Deckung), eine gewisse Form farblicher Gestaltung, die auf dem Wissen beruht, das ich über die Putztechniken dieser Zeit habe. Häufig waren die Häuser damals gar nicht vollflächig angestrichen, sondern entweder nur teilweise oder es wurde von vornherein eine Art „getönter“ und gefärbter Zement benutzt, um das Haus farbig zu gestalten. Das heißt, die Pigmente, die dem Haus Farbe verliehen, waren direkt in den Putz eingearbeitet oder die Art Putz war von sich aus leicht farbig, wie zum Beispiel beim Romano-Zement, der schon seit der Antike benutzt wird und sehr umweltfreundlich ist, wie ich las. Wie auch immer könnte ich mir eine wie hier gehaltene originale Farbigkeit vorstellen.

Der Abriss schmerzt, allerdings ist zu lesen, dass mehrere Stuckteile sowie andere Elemente wie Türen etc., die wiederverwendbar sind, ausgebaut und eingelagert werden sollen. Ich weiß zwar, dass das Abnehmen vieler Dinge von Wänden machbar ist – wie es aber mit diesen filigranen Jugendstilelementen möglich sein wird, darum zittere ich noch.

Thilos Notizen:
Blog: 20.000 Meilen unter dem Meer
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